FORSCHUNGSBEREICH FINANZIELLE BILDUNG
Finanzielle Bildung ist Ergebnis und zugleich Prozess der Reflektion von Wirtschaftsbürgern über Finanzdienstleistungen in der Kreditgesellschaft. Die Nutzung der Finanzdienstleistungen ist also der Gegenstand dieser Bildung. Der Wirtschaftsbürger soll in der Lage sein, während seiner Lebenszeit Geldströme so zu gestalten, dass sie sinnvoll zueinander in Beziehung stehen.
Die Konzepte der finanziellen Bildung, die das iff entwickelt, zielen auf den produktiven Umgang mit Finanzdienstleistungen ab, mit dem zugleich auch das kritische Potenzial der Verbraucher, auf die Anbieter am Markt einzuwirken, gefördert wird. Dies ist notwendig, weil Finanzdienstleistungen nicht nur notwendig und produktiv, sondern auch zerstörend und problematisch sein können. Finanzielle Bildung gehört daher integral in den Bereich des Verbraucherschutzes.
Dieses Lernen umfasst den Erwerb oder die Veränderung:
- von Einstellungen, also den Zielvorstellungen, die der Verbraucher mit der Nutzung von Finanzdienstleistungen verbindet sowie
- von Fähigkeiten (=Kompetenzen) und Fertigkeiten (=Qualifikationen), also Handlungs- und Verhaltensmöglichkeiten, durch die angestrebten Ziele mit Hilfe von Finanzdienstleistungen erreicht werden können.
Lernen, mit Finanzdienstleistungen umzugehen, hat mit Wissenserwerb zu tun , also mit dem Erwerb von Einsichten und Erfahrungen, die objektiv und subjektiv "gewiss" sind. Finanzielles Wissen ergibt sich dabei aus dem Zusammenwirken von Bildung mit Information und Beratung. Finanzielle Information reduziert Ungewissheit. Finanzielle Beratung ist Hilfe zur Selbsthilfe, hier vergewissert sich der Ratsuchende mit Hilfe einer Beratungskraft darüber, ob seine Einsichten zutreffend sind.
Zutreffend ist zum Beispiel die Erfahrung, dass beim kreditfinanzierten Kauf eines Konsumgutes die Zeit für dessen Gebrauch bzw. Verbrauch und die Zeit für die Tilgung des Kredits aufeinander abgestimmt werden müssen (sog. Laufzeitkongruenz). Zutreffend ist ebenso , dass der Markt bestimmte wirtschaftliche, aber auch sozialen Notwendigkeiten sowie Alternativen für Finanzdienstleistungen beherbergt.
Da unser Handeln zu einem nicht unerheblichen Teil auf Intuition beruht, also ohne bewusste Anwendung von Wissen funktioniert, beschränkt sich das Lernen nicht nur auf den Wissenserwerb, sondern auch auf die Befähigung zum intuitiven Handeln. Hier helfen Heuristiken, also einfache Daumenregeln, die es ermöglichen, in unsicheren Situationen sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Eine Person, die die Laufzeitkongruenz nicht verstanden hat, kann intuitiv sinnvoll entscheiden, wenn sie so handelt, dass "ihr Geld so lange lebt, wie das Gut, das es finanziert".
Das iff bearbeitet im Forschungsbereich finanzielle Bildung derzeit mehrere Projekte, mit denen die folgenden Bereiche der Bildungsforschung (vgl. die Systematik im Sondersammelgebiet Bildungsforschung abgedeckt werden:
- Bildungswesen
- Curriculum
- Didaktik
- Erwachsenenbildung
- Familienpädagogik
- Lernen
- Schule
- Unterrichtslehre und -methodik.
Kontakt: info@iff-hamburg.de
Veröffentlichungen des iff zur Finanziellen Bildung:
- FIS money advice: Finanzielle Allgemeinbildung
- Udo Reifner: Finanzielle Allgemeinbildung : Bildung als Mittel der Armutsprävention in der Kreditgesellschaft. 2003, 248 S., ISBN 3-7890-8362-3 (Schriften des Institut Für Finanzdienstleistungen e.V., Bd. 6)
- Im frei zugänglichen Clearinghouse Financial Literacy = Wissensportal Finanzielle Allgemeinbildung stellen wir Materialien vor, die der finanziellen Bildung (financial literacy) dienen und dort von allen Interessierten in die Datenbank eingegeben werden können.
- Modellprojekte zur "Finanziellen Allgemeinbildung als Mittel der Armutsprävention" in Zusammenarbeit mit folgenden Projektpartnern: Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Bildung und Sport, Landesinstitut Hamburg für Lehrerbildung und Schulentwicklung, Zentrum Schule und Wirtschaft Hamburg, Schuldnerhilfe Köln e.V., VSE-Schuldnerhilfe e.V. Essen, NDR-Fernsehen, Redaktion "das am nachmittag".
- Kanon der finanziellen Allgemeinbildung: Spiegel-Kanon, Wiederholung oder Meisterwerk? zum Commerzbank-Ideenlabor
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