Finanzielle Gewalt sichtbar machen – neues Forschungs- und Transferprojekt am iff
Finanzielle Gewalt ist eine häufig übersehene, aber wirkmächtige Form geschlechterspezifischer Gewalt. Durch die ungleiche Verteilung von Carearbeit sind Frauen häufig in ihrer finanziellen Eigenständigkeit eingeschränkt. In Partnerschaften kann daraus ein ökonomisches Machtgefälle entstehen, das sich etwa durch die Kontrolle über Geld, das Verhindern beruflicher Entwicklung oder die Nötigung zur Übernahme von Schulden oder Bürgschaften äußert. Die langfristigen Folgen sind finanzielle Abhängigkeit, eingeschränkte Handlungsspielräume sowie eine Beeinträchtigung sozialer Teilhabe und Lebensqualität.
Mit einem neuen Forschungs- und Transferprojekt nimmt das institut für finanzdienstleistungen e.V. (iff) gemeinsam mit Dr. Birgit Happel (Geldbiografien) diese Problematik systematisch in den Blick. Ziel des Projekts ist es, finanzielle Gewalt in Deutschland stärker zu thematisieren, wissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten und praxisnahe Präventions- und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Das Projekt ist in mehrere aufeinander aufbauende Phasen gegliedert. In einer ersten Planungs- und Vorbereitungsphase erfolgt die Projektkonzeption sowie eine umfassende Aufarbeitung des nationalen und internationalen Forschungsstands. Darauf aufbauend werden qualitative Interviews und Fokusgruppen mit Fachkräften, betroffenen oder gefährdeten Frauen sowie relevanten Stakeholdern durchgeführt. Auf dieser Grundlage entsteht eine digitale Handreichung mit theoretischen Grundlagen, Praxisbeispielen und konkreten Handlungsempfehlungen, die durch eine vierteilige Podcast-Reihe ergänzt wird. Flankierend werden Online- und Präsenzworkshops durchgeführt, in denen die Projektergebnisse gemeinsam mit der Praxis reflektiert und weiterentwickelt werden. Zum Abschluss werden alle Ergebnisse gebündelt und breit disseminiert.
Der Projektzeitraum umfasst 16 Monate (02/2026–05/2027). Das Projekt wird von der TARGOBANK Stiftung gefördert.
Durch die Verbindung von Forschung, niedrigschwelligen Medienformaten und praxisorientierten Angeboten leistet das Projekt einen Beitrag dazu, finanzielle Gewalt als strukturelles Problem sichtbar zu machen, frühzeitig zu erkennen und präventiv zu bearbeiten.
Projektleitung:
Dr. Cornelia Chadi, Dr. Birgit Happel